Sonntag, 27. August 2017

Einsteigerhüttentour - Tannheimer Tal


Es ist Donnerstag. Mal wieder viel zu früh. Um 5 Uhr klingelt der Wecker, gegen 6 Uhr brechen wir auf. Ca. 4 Stunden wird die Fahrt von Darmstadt in das schöne Allgäu dauern. Diesmal soll es eine lockere Tour werden. Eine Drei-Tage-Einsteiger-Hüttentour. Mit viel Potential zum ausgiebigem Genuß von Kasbretterl und Kaiserschmarrn.


Tag 1, Donnerstag: Nesselwängle - Gimpelhaus. 1h.

Am ersten Tag steht als Minimalprogramm die Anfahrt nach Nesselwängle und der Aufstieg auf des Gimpelhaus auf dem Plan. Tatsächlich bleibt uns ein größerer Stau erspart, und wir kommen bereits am späten Morgen am Parkplatz an.

Optimaler Ausgangspunkt der Tour ist der Parkplatz am

Hotel Berghof














Aufstieg zur Roten Flüh: Wiesentrail. Sonnencrme nicht vergessen! :D

Aufstieg zur Roten Flüh: Herrliche Ausblicke.

Steiler und gerölliger Aufstieg

Auf dem Gipfel bietet sich ein herrlicher Ausblick über den Haldensee





Tag 2, Freitag: Gimpelhaus - über Sabachjoch - Musauer Alm - Otto-Mayr-Hütte


Nach einer schlaflosen Nacht im Matratzenlager (irgendeiner schnarcht immer!), starten wir heute unsere Tour mit Ziel Otto-Mayr-Hütte.

Wegweiser am Gimpelhaus


Wir starten vom Gimpelhaus auf dem Wanderweg 415a Richtung Tannheimer Hütte. An der Tannheimer Hütte auf den Wanderweg 417 abzweigen. Nice to Know: Es gibt einen oberhalb liegenden Parallelweg Nummer 419. Die Hüttenwirten des Gimpelhauses hat uns allerdings abgeraten diesen ohne Helm zu gehen, da hier vermehrt Steinschlaggefahr herrscht!

Vom Gimpelhaus zum Sabachjoch (Weg 417): Blick auf das Gimpelhaus
Der Weg windet sich als Panormaweg mit herrlicher Aussicht am Berg entlang. Das passt uns ganz gut, so können wir uns erst einmal warmlaufen.

Herrlicher Panoramaweg
Denn unser nächstes Ziel ist das Sabachjoch. Hier wird es kurzzeitig nochmal recht steil. Am Joch angekommen sind wird erst einmal etwas verwirrt. Denn dort, wo unser Weg 416 eigenich lang sollte, versperrt uns ein Stracheldrahtzaun den den Weg.

Am Sabachjoch muss ein Stacheldrahtzaun überwunden werden!

Nach längerem Hin und Her, ist allerdings klar, der Zaun muss überwunden werden. Auf der anderen Seite angekommen erahnen wir nach ein paar Metern dann auch wieder unseren Trampelpfad und beschließen erst einmal eine Pause einzulegen, und die schöne Aussicht zu genießen.

Rast am Sabachjoch


Nun geht es nur noch berab. Der eine freut sich darüber, der andere ahnt bereits, dass dies schmerzhafter als ein Aufstieg sein kann. Denn es geht 500HM am Stück teils wirklich sehr steil berab, und bald macht sich dies in den Beinen bemerkbar. So langsam wird es auch richtig heiß, und wir sind froh, als wir zunächst durch einen schattigen Wald kommen, und dann auch schon - wieder passend zur Mittagszeit - an der Musauer Alm ankommen. Auch hier lädt eine herrliche Terasse zum verweilen ein.

Mittagsrast auf der Musauer Alm


Nun ist das Gröbste des heutigen Tages schon geschafft. Nach der Rast auf der Musauer Alm geht es zunächst auf einem breiten Fahrweg (Weg Nr. 413) Richtung Tagesziel Otto-Mayr-Hütte. Die Hitze ist dort nun fast unerträglich. Wir entschließen uns an einer Gabelung von dem Fahrweg auf den Pfad (immernoch 413 abzubiegen). Hier machen wir an einem idyllischen Gebirgsbach nochmals Rast und kühlen die Füße in dem Eiskalten Wasser. Nach wenigen Gehminuten erreichen wir am frühen Nachmittag das heutige Tagesziel, die Otto-Mayr-Hütte, und lassen nach einer erfrischenden Dusche den Tag auf der schattigen Terrasse ausklingen.


Tipp: Wer etwas zügiger unterwegs ist, und die Mittagsrast bereits auf der Otto-Mayr-Hütte macht, kann am Nachmittag z.B. auf die kleine Schlicke wandern.

Tag 3, Samstag: Otto-Mayr-Hütte - über Schartschrofen - Adlerhorst - Nesselwängle

Für unseren letzten Tag dieser Hüttentour waren wir uns selbst am morgen noch nicht ganz über die Streckenführung einig. Da für uns allerdings an diesem Tag auch noch die 4 stündige Rückreise anstand, entschieden wir uns für den kürzesten Weg.

Zum Hallergernjoch: Mit tierischem Gegenverkehr muss gerechnet werden.


Wir starten also von der Otto-Mayr-Hütte, vorbei an der Füssener Hütte (Weg 413) Richtung Hallergernjoch. Die Besteigung des Scharfschrofens ist optional. Die Dauer mit Auf-, Abstieg und Fotopause ist ca. 30 Minuten. Allerdings ist auch hier Trittsicherheit gefragt. Wir entschieden uns für die Besteigung des Schartschrofens, und bereuen diese Entscheidung nicht.

Aufstieg zum Schartschrofen


Der Abstieg erfolgt dann vom Schartschrofen erst wieder zurück zum Hallergernjoch, und von dort aus weiter auf der 413 Richtung Adlerhorst. Im Adlerhorst kann dann eine Mittagsrast eingelegt werden, man muss hier aber mit starkem touristischem Aufkommen rechnen. Der "Rundwanderweg Tannheimer Tal" bringt uns dann auf einem breitan Fahrweg zurück zum Parkplatz in Nesselwängle.

Fazit

Drei schöne Wandertage gehen zu Ende. Die Tour eignet sich meiner Meinung nach für Hüttenwander-Einsteiger, die die ein oder andere kleine Herausforderung nicht scheuen. In jedem Fall ist Trittsicherheit, und auf den Gipfeln auch Schwindelfreiheit erforderlich. Und...es ist kein Spaziergang! Bei unklaren Wetterbedingungen sollte auf jeden Fall Rat beim Hüttenwirt eingeholt werden.

Unser Reisezeitraum war Ende August:
Während auf der Gimpelalm noch genügend Betten zur Verfügung standen, sollte auf der Otto-Mayr-Hütte besser vorab reserviert werden.

Bei einer Wiederholung der Tour würde ich am Tag 3 ggf. einen Abstecher über die kleine Schlicke und das Reintaler Jöchle einplanen.

Viel Spaß beim Nachwandern! :D

Euer Bergloh '^'


Nice to Know - Weiterführende Links:

Meine Karte: Kompass, Tannheimer Tal, ISBN: 978-3-85491-644-4

Ich habe die Tour in Anlehnung an die von "Aktiv am Berg" angebotene Tour geplant.
(Nein, ich bekomme keine Provision! Der Link könnte aber gerade für Alleinwandernde, die Gruppenanschluss suchen, interessant sein.)

Außerdem hier eine Info zur roten Flüh.

Stand: Februar 2018. Alle Angaben beziehen sich auf meine Erfahrungen. Jeder muss für seine Ausrüstung, Unterkunft, Verpflegung etc. selbst Sorge tragen. Angaben ohne Gewähr.

Freitag, 7. April 2017

West Highland Way - Etappe 3

von Rowardennan nach Ardlui, oder ich packe meinen Rucksack und nehme mit...zu viel!

Als ich die Türe der Jugenherberge öffne, atme ich tief durch. Frische Luft. Freiheit. Das tut gut. Die Natur erwacht gerade. Alles ist ruhig. Wieder schafft es die Sonne durch die Wolken. Ein freundlicher Morgen. Eine Person nutzt die Stille, um auf dem Steg zum Loch Frühsport zu betreiben. tststs. Frühsport! Der spinnt ja! ;) Am Kiosk der Jugendherberge habe ich mir dann doch noch eine Banane gekauft, die ich nun mit herrlichem Blick auf den Loch Lomond verfrühstücke.


Ein paar ruhige Momente auf dem einsamen Steg gönne ich mir noch, bevor es weitergeht. Heute stehe wieder 20 km auf dem Plan. Ganz schön hart!


Diese Etappe verläuft sehr idyllisch quasi durchgängig am Ufer des Loch Lomond. Die Wegebeschaffenheit ist nicht immer ganz einfach. Verblockte Stellen und steile An- und Abstiege, wechseln sich mit einfachen Pfaden, Brücken und Stufen ab. Gerade bei nassen Verhältnissen, sind einige Abschnitte sehr rutschig. Auch das ein oder andere Matschloch ist zu bewältigen. Bei einem sehr hohen Felsabsatz blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf dem Po runterruschten zu lassen. All diese Stellen, machen die Wanderung natürlich spannen, senken die Gehgeschwindigkeit aber dramatisch. Hier ein paar wenige Impressionen:









Meine Mittagsrast lege ich nach ca. 11km im Inversnaid Hotel ein. Dort gibt es eigentlich auch einen eigenen "Walker's Room" (sodass die ganzen nassen, verdreckten Wanderer nicht das Hotel einsauen ;) ). Der Walker's Room wird zwar gerade renoviert, ich bekomme aber trotzdem einen heißen Tee und ein warmes Mittagessen. Ja - bei solch einer Reise machen einen schon kleine, alltägliche Dinge sehr glücklich.

Nach Inversnaid geht es wieder weiter am See. Irgendwann komme ich an einem Schild "Rob Roys Cave" vorbei. Der Weg führt steil nach unten Richtung See. Da mir der schwere Rucksack nach wie vor sehr zu schaffen macht, überlege ich die Höhle einfach links liegen zu lassen. Und dann denke ich, jetzt oder nie, und folge dem "Pfad" Richtung See. Am Ende lande ich an einer wirklich kleinen Höhle. Eigentlich bin ich mir nicht einmal sicher ob ich richtig bin. Wer einmal "dort gewesen sein will", bitte gerne, gesehen haben, muss man das Steinloch aber wirklich nicht!



So schön diese Etappe auch war...ich bin froh, als ich endlich, und vorallem vor Fahrtschluss, an der Fähre ankomme. Der "Fährhafen" (und mein Hotel) liegt auf der anderen Uferseite des Loch Lomond. Um die Fähre zu holen, muss der rote Signalball nach oben gezogen werden. Die Konstruktion hat augenscheinlich schon viele Witterungen mitgemacht. Das Material ist rostig und ausgelaugt. Mit ein bisschen Krafteinsatz schaffe ich es aber, den Signalball zu befestigen und warte nun gespannt auf das Boot. Und tatsächlich! Nach ca. 5 Minuten sehe ich ein kleines weißes Boot am anderen Ufer auslaufen, das direkt Kurs auf meine Position nimmt.Vorfreude steigt auf!



Über den wackeligen Metallsteg hiefe ich mich und meinen Rucksack in das kleine, wackelige Boot. Ich bin der einzige Fahrgast, und genieße so zum Abschluss dieser Etappe eine herrlich stille Fahrt über den Loch Lomond. Meine Blicke schweifen über den See, am Ufer entlang. So weit bin ich schon gekommen. Ich bin gespannt, was mich morgen erwartet :)


Zusammenfassung Etappe 3


Wieder eine schöne Etappe. Meist auf schmalen Pfaden direkt am Ufer des Loch Lomond. Gaaanz langsam fällt die Anspannung von mir, ob ich das tägliche Etappenpensum schaffe. Ich laufe mich ein, und bekomme ein Gefühl für meine Beine und die Strecke. Nur der Rucksack ist immernoch zu schwer. Abends im Hotel fange ich an, Dinge die ich offensichtlich in zu großen Mengen dabei habe, auszusortieren. Es ist wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Etappenlänge:  20 km
Aufstieg:  961 m (245 m*)
Abstieg:  697 m (233 m*)

Energie Auftanken nach 11,6 km
Inversnaid Hotel (mit eigenem Eingang in den "Walker's Room")  *Click*

Meine Unterkunft:
Ardlui Hotel *Click*
Ardlui, Ardlui, G83 7EB, UK
Phone: +44 1301 704243 Preis: 64 Euro inkl. Frühstück 

Quelle: *Höhenangabe
* (HM) Angabe aus Google Maps

Donnerstag, 6. April 2017

West Highland Way - Etappe 2

von Drymen nach Rowardennan, oder 6 Menschen in einem Zimmer sind 5 zu viel...


Nach einem typisch schottischen Frühstück und belebendem Kaffee, mache ich mich auf Richtung Start der Etappe 2. Da der West Highland Way nicht direkt durch Drymen hindurch läuft, muss ich ca. 1km zurück (Richtung Osten) laufen. Direkt am West Highland Way liegt z.B. die Mulberry Lodge (*Click*) oder Glenalva B&B (*Click*).

Der Weg verläuft zuerst auf einem breiten Fahrweg durch einen kleinen Wald. Zwar wuchert der Ginster in schönstem Gelb, aber meine Euphorie hält sich in Grenzen. Wirklich schön ist es hier irgendwie nicht und außerdem tut mir alles weh. Einzig die liebevoll gestalteten Hinweisschilder am Wegesrand "Frog nursery. Do not disturbe. Thanks" bringen mich zum Schmunzeln. Die Schotten halt :) 

Ein etwas verstörendes Bild, bot eine Gruppe von ca. 8 Asiaten, die ihre Zelte irgendwo am Wegesrand aufgebaut hatten. Dass sie nicht gut geschlafen hatte, sah man ihnen deutlich an. In Litargie versunken, und noch mit Schlafanzug am Leib, steht der eine Mitten im Wald und putzt Zähne, während ein anderer in einer Metallschüssel rührt und ein dritte gedankenversunken an seinem Sandwich (oder so etwas ähnlichem) kaut. Es ist ein bisschen wie auf einer Theaterbühne und ich überlege eine Sekunde lang, ob ich wirklich in Schottland bin.


Richtig schön, wurde es dann, als der erste Blick auf Loch Lomond frei wurde. Vorallem deswegen, weil man in dem Moment so überhaupt nicht damit rechnet. Es ist als ob der Weg absichtlich sein langweiligstes Kleid anhat, um es sich dann mit voller Wucht vom Leib zu reisen, und seine ganze Schönheit zu zeigen. Dies kommt auf dem Bild nicht wirklich gut rüber, aber auch die beiden Mädels packten direkt ihre Kamera aus, um diesen Augenblick festzuhalten. Wie so oft, wussten wir in diesem Moment noch nicht, dass es nach jeder Kurve noch besser und noch besser und noch besser wird.



Immer mit Blick auf den Loch Lomond und meinem nächsten Highlight, dem Conic Hill, geht es weiter. Bei gutem Wetter lohnt es sich vor dem Conic Hill, an einem Fluss mit Brücke zu verweilen, und die Landschaft zu genießen. Ich war allerdings etwas unentspannt, da ich nicht wusste, wie gut bzw. schnell ich die 25 km Etappenlänge schaffen würde, und nutze diese Gelegenheit leider nicht.




Der Conic Hill ist für geübte Wanderer ein Hügel. Viele Touristen mit Turnschuhen und Familien sind dort unterwegs. Die Aussicht auf Loch Lomond ist ein Traum. Dennoch macht mir der Abstieg aufgrund des Gewichts meines Rucksacks sehr zu schaffen. Da kommt mir nach 11km meine Mittagsrast in  Balmaha gerade recht. Es gibt direkt am West Highland Way das Cafe St. Mocha, den Village Shop (teuer!) und das Oak Tree Inn.




Nach Balmaha ändert sich plötzlich alles. Zuerst, und damit hätte ich nun gar nicht gerechnet, laufe ich an einem Strand vorbei. Der Weg wird nun zum Pfad und führt fast durchgängig direkt am Ufer des Loch Lomond entlang. Die Aussicht ist atemberaubend. Die Beine sind schwach. Der Rucksack ist schwer.






Der Weg wechselt ständig seinen Character. Einmal eben, einmal verblockt, über Holzstege, steile Stufen, entlang des Wassers, durch Wälder....nur eines ändert sich nicht. Die Beine sind schwach. Der Rucksack ist schwer.



Immer wieder treffe ich auf vier Belgierinnen, die den Weg gemeinsam gehen.  Sie haben Gepäcktransport und sind nur mit Tagesrucksäcken unterwegs. Bei jeder Begegnung kommt die Sprache auf meinen Rucksack. Sie können es nicht fassen, wie man mit so viel Gepäck unterwegs sein kann. Ich auch nicht, und zweifele langsam daran, das Vorhaben so durchhalten zu können. Nach 25 km komme aber auch ich an der Jugendherberge an.

Das Personal am "Check in" ist an Langsamkeit kaum zu übertreffen. Geduld ist gefragt. Dabei sind die letzten Kraftreserven schon seit Stunden verbraucht, und ich möchte einfach nur duschen, essen, überleben. Sowohl Frühstück, als auch Abendessen kann in der Jugendherberge gebucht werden. Außerdem gibt es einen kleinen Kiosk (Snacks, Tee, Kaffee, Lunchpaket). Das ist auch gut so, denn die Jugendherberge liegt absolut im Niergendwo. Pub? Fehlanzeige!



Als ich in das 6-Bett Zimmer komme, sind die meisten Betten schon belegt. Ein oberes Etagenbett direkt neben der Türe ist noch frei. Der Raum ist sehr klein, und die Gänge sind sehr eng. Platz für das Gepäck gibt es quasi nicht. Ich bin froh, dass es heute nicht geregnet hat, denn mir bleibt nichts anderes übrig, als meinen Rucksack in das Bett zu hiefen und die einzelnen Tüten für Abendklamotten, Schlafsachen, Bad, Elektro, ... so anzuordnen, dass ich nach ihrer Wichtigkeit Zugriff darauf habe.

Nach der Dusche (nun hängt auch der komplette Bettrahmen voll mit Handtüchern und Klamotten), esse ich ein sehr sehr leckeres Curry, lasse den Tag im Gemeinschaftsraum ausklingen und gehe zusammen mit meinem Rucksack früh in's Bett.

An Schlaf ist leider bis nach 1Uhr nicht zu denken. Eine Horde Kinder feiert ihre Freiheit, rennen ununterbrochen den Flur auf und ab, grölen und lassen Türen zuschlagen. Als dann irgendwann morgens um 5:30 Uhr der Wecker einer Mitschläferin klingelt (sie hatte wohl vergessen ihn auszumachen), bin ich schon nah an meiner Grenze für soziale Verträglichkeit. Ich versuche wieder einzuschlafen, aber ohne Erfolg. Da wir nun alle mehr oder weniger wach sind, muss jetzt ständig eine auf Toilette. Türe auf. Türe zu. Direkt vor meiner Nase. Es ist ca. 6:30 Uhr als ich es in dem stickigen Zimmer einfach nicht mehr aushalte, und beschließe fluchtartig und ohne Frühstück, dem Drama ein Ende zu bereiten, und breche auf...



Zusammenfassung Etappe 2

Wow, jetzt nachdem der Artikel zur zweiten Etappe fertig ist, merke ich erst wieder wie abwechslungsreich diese Etappe war. Eigentlich kommt es mir eher wie zwei Etappen vor. Eine vor, und eine nach Balmaha. Für Wanderneulinge mag diese Etappe eine erste richtige körperliche und mentale Herausfordung darstellen. Während beim Conic Hill nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg der "Knochenbrecher" ist, geben einem nach Balmaha die wenigen, aber teils sehr steilen Rampen den Rest. Außerdem ist diese Etappe mit 25km eine der längsten.

Etappenlänge: 25 km
Aufstieg: 665 m
Abstieg: 815 m

Energie Auftanken nach 12km in Balmaha: Oak Tree Inn, Village Shop (kleiner Supermarkt), St. Mocha (Cafe) *Click*

Meine Unterkunft:
Rowardennan Youth Hostel *Click*

Preis: 25 Euro ohne Frühstück 
Frühstück und auch Abendessen direkt in der Unterkunft möglich.


Quellen: * Höhenangaben *

Mittwoch, 5. April 2017

West Highland Way - Etappe 1

von Milngavie nach Drymen, oder schottische Polizisten haben die knackigeren Hintern.

Nun stehe ich am Bahnhof von Edinburgh (Haymarket) und warte auf den Zug der mich nach Milngavie, dem offiziellen Startpunkt des West Highland Ways, bringen soll. Schon am Tag zuvor war ich hier, habe die Gegebenheiten inspiziert, mich nach einem Ticket erkundigt und mir eine passende Zugverbindung gesucht. Ich bin natürlich viel zu früh am Gleis. Gefühlt im Minutentakt fahren die Züge. Ich überlege noch, einen früheren Zug nach Glasgow zu nehmen, lasse dies dann aber zugunsten meiner Direktverbindung nach Milngavie.

Und dann passiert das Unvermeidliche. Mein Zug hat Verspätung. Das ist nicht weiter tragisch. Dafür kommt aber ein anderer Zug, von dem man nicht genau weiß, ob er auch nach Milngavie fährt. Ich möchte einen älteren Herrn, der mich sofort als West Highland Way Walkerin identifiziert hat, und mit dem ich darauf hin in's Gespräch gekommen bin, fragen, ob dies denn nun der Zug nach Milngavie sei.

"Pardon? Is that the train to Milngavie?"

Der Mann schaut mich nur ungläubig an und sagt, dass er mich nicht verstanden hätte. Ich versuche es nochmal:

"Is that the train to Milngavie?"

Wieder nur Unverständnis. Wir versuchen es noch 2 - 3 Mal, dann geben wir beide auf.

Jaaaa, in zahlreichen Blogs und Büchern wird darauf hingewiesen, dass man als Deutscher Milngavie eigentlich nur falsch aussprechen kann - und zwar so falsch, dass dich wirklich keiner versteht. Ich dachte mir noch, dass ich a) sowieso mit niemandem über Milngavie reden werden und b) es so schlimm schon nicht sein wird. Und nun! Nun hatte ich den Salat. Hätte ich gefragt, ob dies der Zug nach "Waschlappen" ist, wäre es vermutlich auf das Gleiche hinausgelaufen.

Meinen Zug habe ich dann doch noch bekommen, und bin nach ca. 1,5 Stunden Fahrt wohlbehalten in Waschlappen angekommen. Durch den Bahnhof durch und dann links halten. Ab jetzt kann schon nichts mehr schief laufen, denn die Beschilderung Richtung "Stadtmitte" ist perfekt.

Milngavie selbst ist ein winziger Ort, aber beschaulicher, als die vielen Startfotos auf diversen Blogs es vermuten lassen. Ein winziger Wochenmarkt mit kleinen Ständen und einheimischen Produkten, verführt mich erst einmal dazu ein wenig zu flanieren. Aber halt! Da war ja was! Achja, ich wollte wandern. Heute steht die erste Etappe von Milngavie nach Drymen mit ca. 19km auf dem Plan. Also los!

Der offizielle Startpunkt des West Highland Ways ist wirklich nicht zu verfehlen. Irgendwie fühle ich mich ein wenig albern, als auch ich, wie schon hunderte vor mir, ein Selfie mit der etwas strist da stehenden "Startsäule" mache, und bin dann auch froh, dass ich weg von den Augen der Zuschauer hinein in den West Highland Way abtauchen darf.

Und tatsächlich. Man durchtritt das "Tor" zum West Highland Way und schon ist man ziemlich alleine. Und vorallem ist man relativ schnell in der Natur. Was zuerst anmutet wie ein etwas verwilderter Park geht natlos über in freies Gelände. Eben noch im geschäftigten Edinburgh und nun Natur pur. Ein paar Einheimische sind unterwegs. Alle sind äußerst freundlich, von jedem hört man ein Good morning und mir scheint, dass jeder Schotte einen Hund besitzt. Die Hunde sind übrigens auch alle freundlich. Und überhaupt ist jeder freundlich zu jedem.

Ich befinde mich noch in den Lowlands, daher geht es relativ flach zu. Die ein oder andere kurze Rampe ist dabei. Ich muss auf dem ersten Kilometer bestimmt 4x anhalten, um irgendetwas aus- oder anzuziehen und die Position des Rucksacks zu optimieren, der schon nach kurzer Zeit Schmerzen verursacht. Gerade dann, wenn man den schweren Rucksack wieder aufgehieft hat, und sich als träge Masse in Gang gesetzt hat, braucht man ein Taschentuch oder muss doch noch etwas ausziehen oder wieder anziehen oder oder oder... Aber, ich will hier Mut machen: Es wird besser, denn man lernt jeden Tag dazu!

Jeden Stein und jeden Baum des Weges zu beschreiben ist hier nicht mein Ziel. Das sollte schon jeder für sich selbst erfahren. Allerdings gab es nach ca. 7 km dieses Gatter:




Und ich wusste: Jetzt bin ich angekommen! Jetzt kann es richtig los gehen. Die Reise. Kurz durchatmen, die Landschaft genießen und weiter geht's. (Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht wieviele Gatter ich heute noch auf und zu machen werden.)

Und als ich da so wandere durch die traumhafte seicht hügelige Natur, sah ich irgendwann einen kleinen Bauwagen am Rande des Weges. Als ich näher komme, begrüßt mich ein groß gewachsener rauer Schotte, stellt sich als Parkranger vor und bietet mir kostenlos Wasser, heisse Schokolade und Kaffee an. Ein Service der Parkranger. Wer möchte, kann eine Kleinigkeit für den Erhalt des Parks spenden. Wirklich sehr nett die Schotten. Und da ich auf einem anderen Blog von den Rangern gelesen hatte, und hier sowieso alle so nett sind, nehme ich das Angebot zur Rast gerne an und lasse mir einen Kaffee machen.

Wir halten ein bisschen Smalltalk und ich genieße die Natur. Wie aus dem Nichts tauchen auf einmal zwei Polizisten auf, und fangen an den Ranger zu befragen. Irgendwie wird die Stimmung seltsam. Ich trinke weiter meinen Kaffee und genieße nun nicht mehr die schottische Natur, sondern die Aussicht auf den knackigen Polizeihintern. Irgendwann wird mir die Stimmung zu angespannt. Ich trinke aus, werfe ca. 1.5 Pfund in die Spendenkasse für den Park und möchte gehen, als mich der Polizist aufhält und auch mich befragen will. Er will alles ganz genau wissen. Warum haben Sie Geld in die Kasse geworfen? Was hat der Parkranger zu Ihnen gesagt? Hat er Sie bedrängt? Woher kommen Sie? Wohin gehen Sie? Und und und... Ich versuche ihm zu erklären, dass der Park Ranger Spenden für den Park sammelt. Er versteht mich kaum, denn mein Englisch ist eine Katastrophe. Langsam dämmert's mir und ich sage "He isn't a Park Ranger, isn't he?." Der Polizist "No, Not really".....
Aufgrund meines schlechten Englisch' möchte der Polizist  keine Aussage und Personalien von mir und ich darf weiterziehen. Wie die Geschichte für den angeblichen Parkranger ausgegangen ist, bleibt der Fantasie überlassen...




Ich versuche mich wieder auf die Natur zu konzentrieren, zu laufen und die Rückenschmerzen zu vergessen, die immer schlimmer werden. Es geht bergab, bis der Weg gänzlich eben verläuft. Ab jetzt kommen alle paar Meter irgendwelche Gatter. Sowieso begegnet man auf dem kompletten West Highland Way diversen Gattertypen, Stege, Steige, Brücken und Tritte. Die Glengoyne Distillery spare ich mir, und bin froh, als ich nach ca. 11km meine "große" Pause im BeechTreeInn machen kann.



Die Pause tut gut, aber die zweite Hälfte des Weges bis nach Drymen zieht sich für mich doch sehr. Ich bin den schweren Rucksack einfach nicht gewohnt. Der Rucksack ist zwar so eingestellt, dass er meine Schultern entlastet, aber mitlerweile habe ich einen blauen Fleck auf dem Hüftknochen durch den Hüftgurt. Ich muss die Einstellungen immer wieder so ändern, dass das komplette Gewicht auf den Schultern liegt, weil die Schmerzen auf der Hüfte zum Ende der Etappe unerträglich werden. Kurz vor Drymen überlege ich ein Taxi zu nehmen, oder den Rucksack zurück zu lassen, oder mich einfach komplett zurück zu lassen...

Aber ich reise mich zusammen. Wie immer. Die letzten paar hundert Meter führen mich über eine Schaafsweide. Die frisch geborenen Lämmer liegen neben ihren Müttern im Gras. Mit letzter Kraft komme ich im B&B The Hawthorns an. Die Dusche ist ein Traum. Das dunkle Bier im Pub ebenfalls...




Zusammenfassung Etappe 1

Die erste Etappe ist geschafft. Die Wegebeschaffenheit ist einfach, und führt weitestgehend durch Grasland. Aber wie sehr du auch denkst, du kannst deinen 12kg Rucksack stundenlang problemlos durch die Gegend tragen, du könntest überrascht sein, was dir nach wenigen Stunden alles weh tun kann. Wer nicht für die ganze Etappe Verpflegung mitnehmen möchte, kann sich nach ca 11km im Beech Tree Inn stärken. Auch in Drymen gibt es Einkehrmöglichkeiten, sowie einen kleinen Supermarkt.


Etappenlänge: 19 km
Aufstieg: 419 m
Abstieg: 307 m

Energie Auftanken nach 11,3km
The Beech Tree Inn  *Click*


Meine Unterkunft:
The Hawthorns *Click*
1 Gartness Road, The Square
Drymen, Stirling, G63 0BH, United Kingdom 
Tel: 00441360661222 
Preis: 59 Euro inkl. Frühstück 



Quelle: *Höhenangabe

Samstag, 1. April 2017

Die Vorbereitung

Im Folgenden möchte ich stichpunktartig auf jene Punkte eingehen, die mich im Vorfeld der Reise beschäftigt haben. Da ich nicht nur klein, sondern auch immer hungrig bin, trieb mich vorallem die Frage um, wo bekomme ich etwas zu Essen? Im Besonderen: Wie sehen die Möglichkeiten für eine Mittagsrast aus? Auf diese konkreten Möglichkeiten, gehe ich immer am Ende der Posts zu den einzelnen Etappen unter "Zusammenfassung" ein.

Der perfekte Reisezeitraum:  

Mitte April bis Mitte Mai! Alleine den perfekten Reisezeitraum zu ermitteln, hat Stunden und Tage gedauert. Ich wollte bei meiner ersten Fernwanderung nicht erfrieren, nicht von Mücken verspeist werden und auch nicht im strömenden Regen ertrinken (wobei dazu in Schottland die Chance wahrscheinlich nie gegen 0 geht). Der April ist laut diversen Klimadiagrammen einer der regenärmsten Monate, außerdem schlafen die Midges jetzt noch. Die Temperaturen betragen durchschnittlich 12°C. Achtung: Im März besteht die Gefahr, dass noch nicht alle Unterkünfte geöffnet haben. Mein Reisezeitraum (inklusive Städtetrips) war vom 2. - 16. April 2017, und die ersten 7 Tage hatte ich keinen Tropfen Regen! So kann's gehen.

Bücher / Kartenmaterial


Ich hatte auf meiner Wanderung dabei:

1. Taschenbuch: Conrad Stein Verlag. Schottland: West Highland Way. Das Taschenbuch ist recht klein, nimmt wenig Platz weg und eignet sich vorallem dazu, sich abends auf die nächste Etappe vorzubereiten. Anmerkung: Die Höhenmeterangaben sind meiner Meinung nach unstimmig.

2. Karte: Harvey Maps. West Highland Way XT40.

Der West Highland Way war durchgängig markiert, sodass eine Option ausreichend gewesen wäre.

Das Regencape:

NEIN! Wie auch ich vorher in zahlreichen Foren gelesen hatte, ist ein Regencape auf dem West Highland Way eher hinderlich. Das Teil flattert herum - bevorzugt vor dem Gesicht - und nervt einfach nur. Das wollte ich selbst herausfinden. Weil, eigentlich fand ich so ein Regencape ja eine tolle Sache. Alles schön eingepackt und sicher versteckt. Ich kaufte also für 40 Euro ein Regencape, zusätzlich zu einer ordentlichen Regenjacke...Ich persönlich hatte das Regencape nie an. Zwei Wanderinnen, die nach Kingshouse kurz vor mir mit Regencape starteten, zogen dieses 15 Minuten später wieder aus. Wer ordentliche Regenbekleidung hat, kann meiner Meinung nach auf ein Regencape verzichten, und spart so Geld, Platz und Gewicht.

Der Rucksack:

Meine Wahl fiel auf den Fjällräven Kaipak 38W. Dies war keine Vernunftsentscheidung, sondern Liebe! Denn mit 1600g ist er nicht der Leichteste. Mein Berater im Globetrotter hatte bedenken geäußert, ob diese Größe für mein Vorhaben reichen wird. Mir war allerdings schon beim Probetragen (mit Gewicht) klar, dass ich einen größeren Rucksack mit meinen 49kg gar nicht tragen könnte... Ich würde den Kaipak jederzeit wieder kaufen.

WLAN:

Keine Panik! Es gibt in den Unterkünften mitlerweile fast im ganzen Haus, mindestens aber z.B. in einem Gemeinschaftsraum, WLAN. 

Geld wechseln/abheben:

Aufgrund der Informationen auf folgendem Link * Geld welchseln *, habe ich beschlossen, nur bei der RBS Geld abzuheben. Einen Automaten der RBS gibt es am Anfang der Tour in Milngavie und in Fort William. Eine Wechselstube für die ersten paar Pfund gibt es direkt an der Gepäckausgabe im Flughafen Edingburgh (natürlich teuer).

Unterkünfte:

Der West Highland Way ist schon längst keine Geheimtipp mehr. Selbst Anfang April waren die Unterkünfte sehr gut belegt. Vorallem Kings House sollte vorab reserviert werden.






Stand: April 2017. Alle Angaben beziehen sich auf meine Erfahrungen. Jeder muss für seine Ausrüstung, Unterkunft, Verpflegung etc. selbst Sorge tragen. Angaben ohne Gewähr.